Die erste größere Tour dieses Jahr ste­ht an: durch das Stein­erne Meer in fünf Tagen. Die Sta­tio­nen sind das Kär­linger­haus [Hüt­ten­test], das Rie­mannhaus [Hüt­ten­test], das Ingol­städter Haus [Hüt­ten­test], die Wasseralm [Hüt­ten­test] und schließlich das Carl-von-Stahl-Haus [Hüt­ten­test].

Der Som­mer hat pünk­tlich zum Beginn eine kleine Pause ein­gelegt, was wir schon zu schätzen wis­sen: für uns waren die Tem­per­a­turen gestern (> 34°C) für solche Aktiv­itäten nicht son­der­lich gut geeignet.

Tag 1: St. Bartholomä – Kärlingerhaus

Eine Woche frei und dann nur drei Tage unter­wegs, ohne An- und Abfahrt? Nein, das geht schon mal gar nicht. Am Don­ner­stag kurz vor 6 Uhr starteten wir mit der S-Bahn, stiegen um in einen Rail­jet, dann in einen Bus und in noch einen Bus. Dann auf ein Schiff und schließlich, nach unge­fähr 3:30 Stun­den Fahrt ging’s los. Zugegeben, mit dem Auto wäre es deut­lich schneller gegan­gen.

Bei recht som­mer­lichen Tem­per­a­turen liefen wir los von St. Bartholomä, vor­bei an Baden­den, hoch durch den Wald, um dann nach eini­gen Stun­den und unge­fähr 900 hm beim Kär­linger­haus (Fun­tensee­haus) anzukom­men. Das Haus liegt ober­halb des Fun­tensees mit einem schö­nen Blick auf See und dahin­ter­liegende Berge.

Das Kärlingerhaus (Futenseehaus)
Das Kär­linger­haus (Futensee­haus)

Dank einiger wohl sehr warmer Tage hat­te sich der Fun­tensee auf sicher­lich 20°C erwärmt. Eini­gen der ank­om­menden Wan­der­er, uns inklu­sive, kon­nten der aufk­om­mende Wind und die etwas küh­lere Wit­terung den Sprung ins küh­le Nasse nicht nehmen. Im Ver­gle­ich zum Mut­ter­berg­er See oder der Blauen Lacke in den Stubaier Alpen war es auch eher ein Sprung ins Schwim­mer­beck­en eines Freibades, nur mit viel besser­er Aus­sicht und weniger Men­schen.

Auf diese Art erfrisch, durch gutes Essen gestärkt und durch Schnar­cher wachge­hal­ten fing der näch­ste Tag dann pünk­tlich um 6 Uhr wieder an. Kurz nach 7 Uhr brachen wir auf zum Rie­mannhaus.

Hüttenbewertung Kärlingerhaus

Tag 2: Kärlingerhaus – Riemannhaus

Der Funtensee
Der Fun­tensee
Das Steinerne Meer zwischen Kärlingerhaus und Totem Weib.
Das Stein­erne Meer zwis­chen Kär­linger­haus und Totem Weib.

Der direk­te Weg vom Kär­linger- zum Rie­mannhaus ist kurz. Wir entsch­ieden uns für eine etwas abge­wan­delte Tour über Totes Weib, Buchauer Scharte und Schön­feld­spitze. Eine wirk­lich schöne Tour, teil­weise aus­ge­set­zt auf dem Weg zur/von der Schön­feld­spitze. Trock­enes Wet­ter ist sicher­lich von Vorteil. Der Weg von Osten (Buchauer Scharte) nach West­en (Schön­feld­spitze) wird wohl weniger began­gen, die Felsen sind noch sehr grif­fig. Dem Weg nach West­en runter zum Rie­mannhaus sieht man die vie­len Bergschuhe schon an: die Felsen sind zum Teil sehr glattgeschlif­f­en.

Das Rie­mannhaus selb­st ist sicher­lich kein Muss, wenn man das Stein­erne Meer bereisen möchte. Schön gele­gen ist die Hütte, keine Frage, aber die Atmo­sphäre und beson­ders die Fre­undlichkeit des Hüt­ten­wirts lassen hin und wieder zu Wün­schen übrig (einen Tee­beu­tel kann man dort nicht einzeln kaufen, da man son­st heißes Wass­er in Tee ver­wan­deln kön­nte, der wohl mehr kostet als heißes Wass­er). Das Per­son­al ist jedoch schon (sehr) fre­undlich, wenn es auch etwas ver­peilt wirkt. Auch hier muss man sich, kan­ti­nen­typ­isch, anstellen, um Essen und Getränke zu holen. Das Essen schmeckt allerd­ings recht gut.

Das Steinerne Meer von der Schönfeldspitze
Das Stein­erne Meer von der Schön­feld­spitze
Das Riemannhaus
Das Rie­mannhaus

Hüttenbewertung Riemannhaus

Tag 3: Riemannhaus – Ingolstädter Haus

Am drit­ten Tag war eigentlich die Über­schre­itung von Bre­i­thorn, Mit­ter­horn und Ahlhorn geplant. Doch das Wet­ter spielte nicht mit, Regen war ange­sagt. Es war bewölkt und trüb. Wir entsch­ieden uns gegen den Weg auf dem Grat und für den Nor­mal­weg durch die West­seite des Stein­er­nen Meers. Ein schön­er, wenn auch etwas kurz­er Weg. Dafür aber auch recht abwech­slungsre­ich, von sehr steinig bis grün.

Das Ingolstädter Haus
Das Ingol­städter Haus

Nach weni­gen Stun­den erre­icht­en wir dann das Ingol­städter Haus. Eine sehr schön gele­gene Hütte, mit ein­er wirk­lich angenehmen Atmo­sphäre und ohne Kan­ti­nen­flair: wir wur­den am Tisch bedi­ent. Zugegeben, das hat mit ein­er “ursprünglichen Hütte” vielle­icht nicht viel zu tun, wertet aber die Atmo­sphäre deut­lich auf.

Eine Gruppe Schneehühner im Sommergefieder
Eine Gruppe Schnee­hüh­n­er im Som­merge­fieder

Nach ein­er kurzen Stärkung stand der Große Hund­stod auf unserem Pro­gramm. Er liegt direkt neben dem Ingol­städter Haus, ist recht schnell zu besteigen (1,5 Stun­den, je nach Wet­ter­lage) und sollte eigentlich ein wun­der­bares Panora­ma bieten. Mehr als ein bis zwei Stun­den Sonne waren uns an diesem Tag jedoch nicht vergön­nt: der Große Hund­stod lag die ganze Zeit im Nebel. Auf dem Weg zum Gipfel störten wir dann noch unab­sichtlich drei Schnee­hüh­n­er, die es sich am Weges­rand gemütlich gemacht hat­ten. Es macht sich eben doch bezahlt, wenn man nicht dauernd redet.

Auf dem Gipfel war es dann zwar neblig, aber nicht so windig, wie wir angenom­men hat­ten. Auf­grund man­gel­nder Sicht und nahen­dem Aben­dessen macht­en wir uns nach vielle­icht 20 Minuten wieder auf den Rück­weg. Keine 15 Minuten später fing es leicht an zu reg­nen. Die Inten­sität nahm zu und plöt­zlich leuchteten dann noch Blitze aus. Der Don­ner fol­gte anfänglich noch in Abstän­den von 5–8 Sekun­den (also 1,5–2,4 km Ent­fer­nung), wenig später kon­stant bei um die 5 Sekun­den. Ver­mut­lich hing das Gewit­ter am Watz­mann, doch die film­reifen Regen- und Hagelschauer hat­ten uns das Wass­er inner­halb weniger Minuten in die Schuhe gedrückt. Für 15 Minuten warteten in ein­er Höh­le am Weg, bis Regen und Gewit­ter erträglich­er wur­den. Zwis­chen­zeitlich klarte es sog­ar wieder auf, bis dann ein Sturm mit Regen ein­set­ze, der uns die let­zten Meter bis zur Hütte begleit­ete, natür­lich mit Nebel.

Das Gipfelkreuz am Großen Hundstod
Das Gipfelkreuz am Großen Hund­stod

Hüttenbewertung Ingolstädter Haus

Tag 4: Ingolstädter Haus – Wasseralm

Das Gipfelkreuz am Großen Hundstod
Das Gipfelkreuz am Großen Hund­stod

Der Mor­gen begann wie so viele Mor­gen in den Alpen: früh. Der Weck­er klin­gelte um 6 Uhr, denn die Strecke für diesen Tag hat­te es schon in sich. Gut 15 km mit einem Zwis­chen­stopp auf dem Kär­linger­haus, mit Kaf­fee und Kuchen und Suppe, zur Wasseralm. Wir hat­ten uns für den ein­fachen, direk­ten Weg entsch­ieden, vor­bei am Grün- und Schwarzsee. Die Alter­na­tivroute hätte noch einen Teil des Stein­er­nen Meers gekreuzt. Den Teil, den wir schon am ersten Tag auf dem Weg zur Schön­feld­spitze gegan­gen waren. Und es hätte min. zwei Stun­den länger gedauert.

Vor­bei an einem Bergsee heißt im All­ge­meinen auch: vor­bei an einem Bade­see. Auch hier war das Wass­er sehr angenehm. Etwas küh­ler als im Fun­tensee aber den­noch recht warm. Die Fis­che im See macht­en sich dann auch gle­ich an unseren Füßen zu schaf­fen. Fisch-Spa, kosten­los und in wun­der­schön­er Kulisse.

Der Grünsee
Der Grünsee

Erfrisch ging es weit­er zum Schwarzsee. Da dieser See eher ein mit Schilf bewach­sen­er Tüm­pel war, hat­ten wir uns gegen ein Bade entsch­ieden. Noch waren einige Kilo­me­ter zu über­winden, sodass wir den See rechts liegen ließen und und weit­er durch den Wald schoben, mit unseren 12-kg-Ruck­säck­en.

Die Wasseralm mit Freiluftbad
Die Wasseralm mit Freiluft­bad

15 km sind genug für einen Tag, zumin­d­est wenn man sich erst seit drei Tagen mit Gepäck durch die Land­schaft schleppt. Gegen 18 Uhr erre­icht­en wir dann die sagenum­wobene Wasseralm. Eine Alm mit Freiluft-Waschraum, Fluß­dusche und Plump­sk­lo. Sehr urig. Der Hüt­ten­wirt (unter­stützt von zwei Helfern) fühlt sich in sein­er Alm wohl auch recht wohl, lehr sehr entschle­u­nigt und etwas eigen­bröd­lerisch, mit Zoll­stock in der Hosen­tasche und Blau­mann, immer bere­it für die näch­ste Reparatur oder den näch­sten Umbau. Zeit dafür muss aber schon sein. Zum Aben­dessen gab’s Gemüseein­topf mit oder ohne Würschtl. Für Veg­e­tari­er blieben das nicht viele Alter­na­tiv­en. Später wurde der Ofen in der sehr kleinen Gast­stube ncih ange­feuert, bevor wir uns ins Lager schleppten. Dafür wurde diese Nacht erstaunlich wenig geschnar­cht. Geweckt wur­den wir dann, abge­se­hen vom Weck­er oder anderen Wan­der­ern, vom Regen. Regen wie aus Kübeln. Der Freiluft­waschraum ließ und dann auch recht schnell aufwachen. Nach einem gepflegten Früh­stück (zwei Scheiben Brot, Marme­lade, But­ter, Käse und Wurst, für Veg­e­tari­er wieder eine Zutat weniger, das ganze für 8,90 EUR) und einem Lunch­paket ging es dann, ver­packt in Regen­jacke, Regen­hose und Plas­tik­tüten auf den Weg zum Stahlhaus.

Hüttenbewertung Wasseralm

Tag 5: Wasseralm – Carl-von-Stahl-Haus

Der Seeleinsee
Der Seelein­see

Vor­bei am Seelein­see und der Seelein­see-Dien­sthütte über den Schneib­stein ver­läuft der Weg zum so genan­nten “Stahlhaus”. Der Schneib­stein-Gipfel lohnt sich nicht wirk­lich. Es ist aber der direkt Weg, ohne nochmal ins Tal absteigen zu müssen. Er ist auch bei Regen gut bege­hbar, bis auf den glitschi­gen, lehmi­gen Abstieg zum Stahlhaus.

Ange­se­hen vom ständi­gen Regen und Nebel, der sich am späten Nach­mit­tag langsam auflöste, war die Tour eben­falls sehr abwech­slungsre­ich. Und lang. Eine Pause sollte man am Seelein­see schon ein­le­gen, wenn das Wet­ter mit­spielt. Ist es neblig, nass und kühl, verkürzt sich die Pause drastisch. Für ein Bad war die Umge­bung­stem­per­atur von ver­mut­lich unter 10°C auch nicht ger­ade die opti­male Voraus­set­zung.

Das Wet­ter klarte im weit­eren Ver­lauf auf, sodass wir den Blick ins Tal die let­zten 2 Stun­den noch genießen kon­nten. Im Stahlhaus, so wurde uns immer wieder ver­sichert, warteten heiße Duschen auf uns (10 Minuten heißes Wass­er für 2,50 EUR!). Das war Grund genug auch die let­zten rutschi­gen Höhen­meter ohne Ver­let­zun­gen zu über­ste­hen.

Das Carl-von-Stahl-Haus (Stahlhaus)
Das Carl-von-Stahl-Haus (Stahlhaus)

Angekom­men im Stahlhaus wur­den wir fre­undlich emp­fan­gen. Jedoch war die Atmo­sphäre auch eher wie in einem Restau­rant, nicht wie in ein­er Hütte. Eine Ten­denz, die in immer mehr Hüt­ten zu erken­nen ist. Man kann, wenn man es geschickt anstellt, eben schon ganz gut ver­di­enen.

Die Duschen waren sehr schön warm und man musste nicht auf die Uhr schauen. Nur schaute man auch bess­er nicht an die Decke, an der sich der bzw. die Schwarz­schim­mel her­rlich wohl fühlten. Auch ein Phänomen, das man in eini­gen Hüt­ten mit war­men Duschen find­et. Schade, das hat das eigentlich pos­i­tive Bild der Hütte etwas beschädigt.

Dafür war das Essen gut (AV-Essen war Kas­pressknödel auf Blaukraut) und die Preise angemessen (Lunch­paket mit vier Scheiben Brot und Käse sowie Apfel für 4,50 EUR). Auch die Zim­mer waren recht gemütlich, auch wenn in den Zim­mern wie auch in den Duschen Hak­en und Abla­gen fehlten. Wie in vie­len Hüt­ten.

Abend-Alpenglühen am Stahlhaus
Abend-Alpenglühen am Stahlhaus

Hüttenbewertung Oscar-von-Stahl-Haus

6. Carl-von-Stahl-Haus – Jennerbahn

Edelweiß auf dem Weg zum Hohen Brett
Edel­weiß auf dem Weg zum Hohen Brett

Am let­zten Tag von dem Abstieg woll­ten wir noch einen kleinen Gipfel besteigen. Direkt neben dem Stahlhaus liegt das Hohe Brett. Ein ein­fach­er Gipfel, nur sehr viel angenehmer zu besteigen als der Schneib­stein.

Auf dem Weg zum Gipfel sind uns immer wieder Edel­weiß am Weges­rand aufge­fall­en. Ob diese nun natür­lich vorkom­men oder durch Vere­ine wie den Edel­weiß-Club Salzburg gepflanzt wur­den, wis­sen wir nicht. Jeden­falls war das ein Höhep­unkt des Weges.

Nach erfol­gre­ich­er Gipfel­bege­hung ging’s über das Schneib­stein­haus zur Jen­ner­bahn und damit dann zurück ins Tal.

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2015-07-23